Josef Butke

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Blues:

 


Da schauts. Da sind wir endlich.

Endlich was Bekanntes

Da leuchtet Koks am Himmel:

Ich bring dir jeden Deppen for my coke –


 

Im 3. Stock ist Knallpuffabend

Die Lichter hängen wie die breiten Fressen

aus den Fenstern

-geballt und over –

Die Pirouetten drehn ihr tollstes Ding:

Das Scheusal, was auch lieb sein kann;

wird über Samt und Plasta an die Front gedreht

Von Gegenüber

kommt der Spiegel bei dir an.

Da sagst du glatt:

Hier sind wir da – linksrum, rechtsrum,

hier blitzt das Leben.


 

Und zwischen Kühlschrank, Ecksofa und

Blick auf Straße,

aufs Autodach im Glanz der Abendsonne

und auf den letzten Tropf an der Laterne,

zwischen Tisch und Bein ein Bein und noch eins

und noch mehr aus der Wundertüte

zwischen rotgeripptem Fleisch

und roten Himmel

die Glotze brüllt

das Radio schwillt an

der Verkehr schlägt wie das Herz auf Sprit –


 

Zwischen Weng Shou, Jade, 15. Jahrhundert

Und Bryère, Esche, 19.

steht Dackel Lehmann auf dem Sims,

Er wackelt seinen Kopf.

Du bindest eine rote Schleife

um den schwarzen Hals

und tätschelst seine schwarzen Ohren

Du sagst:

So verliebt war ich noch nie

Und in einer echten Liebeswolke

- sie hing zum Fenster raus an schönen Tagen –

schwillt der Kamm, die Badewanne läuft über

Gas strömt aus und die Wäsche hängt wie gerupft

am Suffragettenhals

Heißa Juche – da trifft die Welt

im freien Fall

auf einen Knochen

 

  1. Ich war draußen, eh ich richtig wach wurd

Mein gottverdammtes Glück

- mein gottverdammtes Glück –

Tatü Tata schmatzt die Leitkultur in der Stadt


 

jedes Haus mein Spiegel

jeder Fensterplatz ein flacher Scherz


 

  1. Ich seh’, wie meine Wolke platzt

Im Schein erstickt die Zunge

- im Venusapfelbaum die Nacht –

jede Nacht mein Body, und der Tag mein Traum


 

jede Nacht mein Body

jeder Tag mein Traum


 

  1. Nun sind die Echos kurz und raus – aus Nirgendwo

Dieser Durchgang ist verbraucht

- dieser Durchgang ist verbraucht –

dieser Schrei erstickt im Bauch


 

jeder Schrei mein Echo

jedes Bild spiegelt diese Haut


 


 

So rückt die letzte Kleinigkeit

vor einer scharf geschnittenen Rasenkante ins Licht

eine Rose, natürlich eine rote Rose

eine heimliche Liebschaft (?)

eine heimliche Liebschaft

vor den in Grau gelegt Köpfen...?

gelähmt gelehnt stützt sich der Große auf den Kleinen

die Hände sind verschränkt verknotet

und in kaltem Schweiß allein

ein schwarzer Schuh tritt die Rose ins Grab

und eine kräftige Frühjahrsstimme

hebt sich über die getretenen Reihen


 

Sie war nicht der Cherusker – stimmt!

Sie hatte Schwächen wie wir alle

Doch eine unvergleichliche Stärke zeichnet sie scharf.

- Sie hatte das Licht auf ihrer Seite –

wenn wir so wollen

eine Schwarzmarkante Silhouette

vor einem honiggelben Untergang


 

  1. Ein lauer Tag bricht mit dem alten ab

Kein Kopf bewegt den Arsch

- kein blauer Spiegel reckt den Schwanz zum Mars

die Nacht - beißt dir die Füße ab


 

ich merke nichts vom Hirn

küss mich raus hier – ich sterb ab


 

küss mich raus hier – ich sterbe ab

 


 

Und so ein Schmatz

hält alles Fleisch an

aber nur für’n Moment

dann

ist die Zeit wieder dran

 

 

© Josef Butke  │ Webdesigner: Michael Janik