Stimmen zählen:

Ich ging auf ’ne Fete Stimmen zählen. Bei
einunddreißig stutzte ich, waren es doch nur
sechzehn Köpfe. Ihre Leiber versanken in les
Fauteuilles oder flitzten auch emsig
schlendernd....emsig schlendernd? - geht so:
zuerst den rechten Fuß raus, als wolltest du
schnell zum Kuchen, mit dem linken
nachhinken (weil noch Stuhlbein im Weg), das
Gesäß scheint integriert. Sonstiges samt
Hirn zustimmend, doch zögernd folgend.
Bildablauf wiederholt sich wie beim Anhalter
auf Zapping....
Zurück zur Musik
Manche bewegten sich ihr zuliebe und
schrie’n selten dabei. Ganz wenige saßen nur
rum und hatten keine, nicht mal ’ne
Halbstimme.
Ihr seht also, Stimmen zählen auf einer
Fete ist schwierig. Leichter hat’s da der
Lippenleser. Kann er doch zuordnen, wem
welche gehört und nicht nur die
höchstplatzierten durch den Wirrwarr
blechbrettern hören. Ach ja, blechbrettern
hat’s mir angetan. Größte Erfolgsquote. Fast
immer ist die Zuordnung leicht, besonders,
wenn’s um Alltagsrahm geht wie Stress in der
Küche, wenn das Schwein rauswill etc.
Ein Lippenleser kann noch viel mehr
rausholen, hört und sieht er doch wie
Vollermund-Stimme mit salatgefärbtem Timbre
Kindersätze verstrampelt.: Am Ende hihihaha
krähte der schlaue Fuchs wie ein Hahn
hihihihi, nur um besser zu schmecken.
Halalihalala.
Doch es gibt immer wieder
Vollmund-Strömer, die nicht unbedingt
Präsident sein müssen und trotzdem was zu
sagen haben. Stimmen wie Kreide auf
Schleifstein, die fast ohne zu bellen,
zusammenfalten was zusammengefaltet gehört -
etwa: Ham wir nun zwei Beine oder nix?, um
das dritte müssen wir uns kümmern....
Zu fortgeschrittener Stunde murmeln sie:
Was für’n Klick, diese Talkshow zu hamn.
Wenig später ist schon alles verbrochen.
Es gibt auch solche, mindestens e4ine auf
jeder Fete, die per Knopfdruck hintern
rechts, vorne links oder aus sprechen.
Danach kommt dann auch nichts mehr.
Ich kannte mal ’nen Innovativen
Bei dem ist >nichts< bei Knopfdruck
geblieben
Seine Kommraus-Total war so kahl und
brutal
Wie ein ausgepfiffener Wal
An irgendeinem Sandstrand geblieben....
Nun - weil alle Gewalt vom Volke ausgeht,
ist sie auch hier vorhanden. Doch schon
mischen sich kluge Stimmgeber ein, die weder
Klage noch Nehmer ungehört widersprechen und
außerdem zwischen Geber und Nehmer
allerseits, dreierseits, zweierseits den
Wohlklang zu halten bemüht sind. Das sind
die liebenden Kopfstimmen.
Ich war mal mit Pelz auf 'ner Fete, zu
Zeiten als Animal Peace amerikanisch und
Umweltschutz deutsch wurde. Ich tanzte auf
drei mal sechs Meter unziemlich
herausfordernd und ließ meinen Pelz wehen.
Jemand rief: Du hast ’ne Macke! Ich rief:
Wo? Hier auf dem Auge, rief jemand und haute
drauf.
So viel dazu, wenn die liebenden
Kopfstimmen fehlen. Damals waren sie nicht
da, wenn auch vorhanden. Inzwischen habe ich
gelernt, ihre Anteilnahme fast so schnell
wie blechbrettern zu orten. In der Regel
haben sie drei Beine und sitzen rotschwänzig
auf der Lauer sprich sur Fauteuilles. Sie
essen sehr gern kleine Rotweinreste, ehe sie
sich vorbeugen und die Salzstange ins
Schälchen zurücklegen. Jetzt kommt’s!
Jetzt kommt die Stimme aus dem Café am
Pflasterstrand und sagt mir nicht hinterher,
ich sei nicht in der Realität gewesen ....
Ja, ja, sagte die, die heute so bigott
klingt, wir machen alle ein Ständchen mit
dem Rücken zur Wand.
Ach - eh ich’s vergesse - ich muss mal.
Dem Hausgeist will ich da nicht zu nahe
traten.
Aber sehr nah bei ihm sitzt
Hundeschnauze. Sie schaut mir aus großen
Augen in die Augen, als wolle sie sagen: Was
zählst du - meine Stimme kriegst du nicht!
Übrigens - ich will niemand zu nahe
treten. Wie jeder gute Psycho spreche ich in
den hinteren Rachenraum. Das ist für jedes
Kind gut. Ich hab auch Kollegen, bei denen
das in die Backen geht. Das sind die etwas
gehobenen Altstimmen. Keine Chance für Tenor
oder Bass. Wenn der Bassist kein Bassist wär,
könntest du sagen, dem die Zunge nicht
dauernd im Weg stünd, bemerkst du dazu, wär
er doch längst die Tonleiter hoch, schließ
ich in Gedanken mich an. Oder die Wände....
|